top of page

Side Stella Elite Resort & Spa – klein, stylisch, mit Anspruch

Autorenbild: Christian Simon
Christian Simon
26. Sept.
5 Min. Lesezeit



Vorweg: Wir würden wieder buchen. Das ist keine Höflichkeitsfloskel, sondern das Fazit nach einer Woche, in der deutlich mehr richtig läuft als schief.

Aber genau deshalb schreiben wir auch auf, was uns aufgefallen ist. Ein Haus mit diesem Anspruch hält konstruktive Kritik aus.


Das Haus auf einen Blick

Das Side Stella Elite Resort & Spa liegt in Kumköy, wenige Minuten von Side entfernt. Es ist ein eher kleines Adults-Only-Hotel (ab 16 Jahren) mit Ultra-All-Inclusive-Konzept und gehobenem Anspruch – und dieser Anspruch wird zum überwiegenden Teil auch umgesetzt.


Ambiente

Die Lobby ist ansprechend, das Ambiente stylisch und modern. Das zieht sich durch alle Bereiche: Bars, Restaurants, Zimmer, Bäder. Man merkt, dass hier jemand ein stimmiges Gesamtkonzept im Kopf hatte.



Das Zimmer

Im Zimmer beginnt es gut. Der Ausblick ist sehr schön, vor allem durch die großen Fensterfronten zum Balkon. Wir hatten ein Landblickzimmer im sechsten Stock und haben nachts die Aussicht auf die bunten Lichter von Kumköy genossen.

Also keine Angst vor den Zimmern mit Landblick. Wer abends etwas früher aufs Zimmer möchte, hat es dort sogar ruhiger als auf der Poolseite.

Ein kleines Highlight ist die große Glasscheibe, die Bad und WC vom Rest des Zimmers trennt – die Jalousie lässt sich öffnen. Das Bad hat eine große Dusche mit Handbrause und Regendusche, dazu Slipper und Bademäntel. Duschgel, Shampoo und Spülung stehen bereit.

Auch die Klimaanlage verdient eine Erwähnung: angenehm leise, kühlt sehr gut und ist einfach zu steuern. Unsere Wünsche nach besseren Kopfkissen wurden erfüllt, sogar Matratzen können getauscht werden. Das ist längst nicht überall so.

Umso mehr fallen im Bad die Kleinigkeiten auf, die stören: keine Steckdose, ein zu kurzes Föhnkabel, keine Seifenschale, flackerndes und insgesamt schlechtes Licht am Spiegel. Der Toilettenpapierhalter war nicht festgeschraubt und fiel immer wieder herunter. Auch das Verbrauchsmaterial wurde nicht zuverlässig nachgefüllt.


Jeder einzelne Punkt ist eine Lappalie. Zusammen ergeben sie ein Bild, das nicht zum Rest des Hauses passt.

Ein Punkt ist allerdings keine Lappalie: Fünf Tage lang wurden Minibar und Wasser nicht aufgefüllt. Wir haben das an der Rezeption reklamiert, geändert hat sich nichts. Das geht in dieser Kategorie gar nicht.

Und wer landseitig wohnt, sollte eines wissen: Der Balkon hat keinen Sonnenschutz. Bis mittags ist ein Aufenthalt dort wegen der direkten Sonne nur eingeschränkt möglich.


Pool und Strand

Der Pool ist optisch gut gestaltet, Wasserqualität und Temperatur waren sehr gut – die Abkühlung ist wirklich angenehm. Für die Größe des Hotels fällt er etwas klein aus. Aber man hat ja das Meer in fußläufiger Entfernung: Zum Strand geht man gute fünf Minuten, alternativ fährt alle zwanzig Minuten ein Shuttlebus.

Was am Pool stört, sind zwei andere Dinge. Auffällig viele Sonnenschirme haben defekte Bestandteile. Und die Einweg-Plastikbecher sind zu dünn – dafür fällt Müll ohne Ende an. Mehrweg wäre hier eine sinnvolle Investition und ein Plus für die Umwelt.



Quantum Spa

Das Spa ist sehr schön eingerichtet, schon der Empfangsraum ist liebevoll gemacht. Salzraum, Dampfbad und Sauna können Hotelgäste kostenfrei mitbenutzen, dazu gibt es einen Innenpool und einen Fitnessraum. Der Zustand der Anlage ist durchweg gut.

Für ambitionierte Sportler dürfte der Fitnessraum etwas zu klein sein. Für alle, die im Urlaub einfach etwas für ihren Körper tun möchten, reicht das Angebot vollkommen aus.

Nach der fünfzehnminütigen Inklusiv- und Testmassage haben wir uns für ein Paket entschieden und Hammam sowie drei Massagen gebucht. Der Hammam war sehr gut, die Massagen ebenfalls.

Meine Frau war von ihrem Masseur Halil regelrecht begeistert: sehr einfühlsam, empathisch und mit großem Fachwissen. Bei mir war es gemischt. Mein Masseur war bei den ersten beiden Behandlungen okay, aber ich hatte mir mehr erwartet. Für die dritte Massage habe ich um einen Wechsel gebeten und wurde von einer Masseurin Selma behandelt – qualitativ wirklich hervorragend.


Unser Tipp: Wer mit einer Behandlung nicht ganz zufrieden ist, sollte das ruhig ansprechen. Es wurde ohne Diskussion umgesetzt.


Ein Wort zu den Preisen: Die zuerst genannten Preise waren für türkische Verhältnisse deutlich zu hoch. Wer verhandelt, kommt aber schnell auf eine vernünftige Lage – und dann stimmt das Verhältnis von Preis und Leistung. Das Spa können wir bedenkenlos weiterempfehlen.



Kulinarik

Kulinarisch wird es richtig gut. Die Auswahl ist sehr groß, bei den Vorspeisen wie bei den Hauptgängen. Die Patisserie ist ein Wahnsinn: Auswahl, Optik und Liebe zum Detail sind außergewöhnlich.

Beim Kaffee hört es auf. Uns ist bewusst, dass die Türkei eine Teekultur hat. Aber bei internationalem Publikum sollte auch vernünftiger Kaffee dazugehören. Was an Espresso, Cappuccino und Latte angeboten wird, entspricht nicht dem Standard des Hotels.

Zwei Dinge im Restaurant sind Hausaufgaben fürs Management. Es gibt eine klare Kleiderordnung, trotzdem sitzen Gäste in Kleidung am Tisch, die dort nichts zu suchen hat – und auch Badeschlappen werden geduldet. Wer eine Regel aufstellt, sollte sie auch vertreten.

Der zweite Punkt ist die Bestuhlung auf der Restaurantterrasse. Dort stehen Plastikstühle mit einem Lochmuster in der Sitzfläche. Dass man draußen auf pflegeleichtes Material setzt, ist beim Mittagessen in Badekleidung absolut nachvollziehbar. Das Problem ist das Muster: Es zeichnet sich nach kurzer Zeit deutlich auf der Haut ab. Besonders unangenehm ist das abends, wenn Frauen im Sommerkleid am Tisch sitzen und mit dem Abdruck wieder aufstehen.

Eine Auflage oder ein Kissen wäre hier der richtige Weg. Damit wäre nicht nur das Problem gelöst, sondern auch die Sitzqualität draußen auf dem Niveau des Innenbereichs.



Service

Der überwiegende Teil der Angestellten ist fleißig, nett und macht einen guten Job.


Einzelne stechen heraus, und die wollen wir namentlich nennen:

Mete im Service auf der Raucherterrasse,

Ziya vom Management,

Ayse und Mehmet von der Poolbar

sowie Ali im Beach- und im Hauptrestaurant.


Wir hatten außerdem einen außergewöhnlichen Wunsch, und der wurde erfüllt. Danke dafür an Ziya und Herrn Bülent.


Insgesamt ist der Service gut bis sehr gut, aber stellenweise lückenhaft. Wie sauber Tisch und Tischset sind, hängt davon ab, wer gerade Dienst hat.

An der Lobby-Bar ist der Service durchwachsen. Dieselben Getränke werden immer wieder anders serviert: andere Gläser, mal mit Eis, mal ohne, Gin Tonic mit Cocktailkirsche, Jägermeister mit Orange. Beides passt nicht.

Die größte Schwachstelle ist die Terrasse der Lobby-Bar – und das ist besonders schade, denn sie ist einer der schönsten Plätze im Hotel. Man hat Blick auf den Pool und sitzt zu den Abendshows in der ersten Reihe.

Umso ärgerlicher, dass wir mehrmals am Abend 15 bis 20 Minuten saßen, ohne begrüßt oder bedient zu werden. Man könnte das mit Stoßzeiten erklären, wenn es nur abends so gewesen wäre. War es aber nicht. An einem Nachmittag wollten wir dort einen Drink nehmen, es war nur eine Handvoll Gäste da – und wir wurden über 20 Minuten weder beachtet noch bedient. In dieser Hotelkategorie sollte das nicht passieren.



Abendprogramm

Die Shows haben sehr gute Qualität. Nur die Lautstärke ist ein Problem, und zwar nicht nur bei der Animation. Die Musik ist allgemein oft zu laut, bei der Animation übersteuert die Box, und meine Uhr hat über 90 dB gemessen. Guter Sound hat nichts mit Lautstärke zu tun.

Und dann kam die Liveband. Wer sich an Songs von Weltstars traut, muss entweder sehr gut sein oder wenigstens gut covern. Das war leider ziemlich übel.


Noch ein Punkt zum Animationsteam, den wir direkt ans Management richten möchten. Einer der Animateure trug ein T-Shirt mit einem englischen Aufdruck, der drei mögliche Gründe für seinen Single-Status zur Auswahl stellte – einer davon ging deutlich unter die Gürtellinie. Das passt schlicht nicht zum Anspruch eines Hauses dieser Kategorie.

Und es blieb nicht beim T-Shirt: Auch im Auftreten gegenüber weiblichen Gästen am Pool war dieselbe Linie erkennbar. Wir fragen uns, wie das Management das sieht. Ein Adults-Only-Konzept bedeutet nicht, dass Anspruch und Stil am Poolrand enden.


Fazit

Unter dem Strich: ein stylisches, stimmiges Haus mit einer starken Küche, einem sehr empfehlenswerten Spa und überwiegend engagiertem Personal, das an einigen Stellen mit wenig Aufwand deutlich besser werden könnte.

Wir kommen wieder – und schauen, was sich bis dahin getan hat.

Kommentare


bottom of page